Da sitze ich nun, vier Tage nachdem mich "Batman: Arkham Asylum (B:AA)" dann doch endlich auf dem Postweg erreicht hat. Und ich habe Tränen der Freude in den Augen. Oder ist es doch wegen der Schmerzen in den Fingern, nachdem die Prügel- und Freeflow-Kombodichte in den letzten Spielstunden noch einmal ordentlich angezogen hat? Aber fangen wir besser am Anfang an:
Am vergangenen Freitag trudelt also meine "B:AA" Collector's Edition für die Xbox 360 ein. Bereits im Mai hatte ich sie im Wissen, dass dieses Game einfach nur gut werden kann, vorbestellt und die Freude war unendlich groß, als ich erfuhr, dass ich noch dazu vom Vorbestellerbonus profitieren würde. Die Collector's Edition hat mich dank fairer Firmenpolitik / Kundenliebe seitens Amazon nur gute 70,- Euro gekostet, was im Durchschnitt nur 10,- Euro mehr ausmacht, als die normale Standard-Version. In Anbetracht dessen, dass diese ominöse Collector's Edition mancherorts aber bereits für 150,- Euro und mehr gehandelt wird, sei hier aber eines ganz klar und warnend gesagt: Das ist sie wirklich
NICHT wert!

Die Verpackung mag vielleicht auf den ersten Blick noch überzeugen, doch der Inhalt ist gelinde gesagt eine Frechheit, vergleicht man die EU-Version mit der hochgelobten US-Variante. Der groß angepriesene Batarang besteht aus einem Billigst-Plastik-Replikat, das weder vom Design noch von der Verarbeitung her überzeugen kann. Schlechte Haptik, viel zu leicht und dazu noch mit offensichtlichen Produktionsfehlern in der "Lackierung". Für eine so stolze unverbindliche Preisempfehlung hätte ich da zumindest ein schönes Replikat aus Aluminium erwartet. Das wäre dann hochwertig genug gewesen, um ins Regal zu kommen. Nun ist es nicht mehr als ein schwarzer Staubfänger.
Die sonstigen Beigaben überzeugen zumindest mich als Fan einigermaßen. Ein beigelegtes Booklet in Aufmachung des Notizbuchs von Game-Charakter "Dr. Young" bietet etliche bislang unbekannte Hintergrundinfos plus wunderschöne Zeichnungen der Spielfiguren, die man schon bewundern durfte, wenn man im Game fleißig alle Charakter-Biographien gesammelt hat. Zudem gibt es Freischaltcodes für einen gepanzerten Batsuit (rein optisch) und zwei zusätzliche Herausforderungskarten. Abgerundet wird's durch eine Bonus-DVD, die zusammen mit der normalen Spiel-DVD in einer Art Holzdesign-Digipack steckt.
Letztendlich bleibt aber ein äußerst bitterer Nachgeschmack der unzweifelhaften Note "Du wurdest ganz schön verarscht". Hier nochmal der anschauliche Vergleich beider Versionen. Es wird deutlich, dass wir nicht nur eines Ledereinbandes, sondern auch des schicken Metal-Cases beraubt wurden. Schweinerei:


Das Spiel an sich ist abseits solch verkaufsstrategischer Griffe ins Anstaltsklo jedoch über jeden Zweifel erhaben. Um das Ganze hier nicht unnötig in die Länge zu ziehen, verweise ich zur intensiveren Veranschaulichung an meinen Kollegen
Volker, der schon gestern im ersten Teil seines Reviews Eindrücke beschrieben hat, die ich selbst nicht besser hätte zu Papier bringen können.
Letztendlich bleibt nach gut 20 Stunden Spielzeit das starke Gefühl zurück, ein verdammt gutes Stück Software bezwungen zu haben. Abwechslungsreiche Endgegner paaren sich mit immer wieder entspannenden und nötigen Schleich- und Detektiveinlagen, die dem Spiel nicht nur Tiefe und Atmosphäre verleihen, sondern mit knackig schweren Rätseln den Gamer auch immer auf Trab halten. Die Jagd nach dem Joker und der unvermeidliche Endkampf werden gerade zum Ende hin gern noch länger hinausgezögert, nur um nochmals alles daran zu setzen in sämtlichen bereits besuchten Gebieten und Räumen mit neuen Gadgets alle verbliebenen Rätsel zu lösen, Trophäen zu finden und versteckte Fragezeichen aufzuspüren, die der Riddler auf der Insel verstreut hat. Und der Geist von Arkham Island muss ja auch noch enttarnt werden. Man merkt schnell: Da hat sich jemand mit viel Liebe zum Detail der Nebenmissionen angenommen, einiges an Comicwissen eingesetzt und letztendlich für die nötige Motivation gesorgt, die Insel mit ihrem "Open World"-Gefühl vollständig zu erkunden.

Der rote Faden der Hauptgeschichte, die "B:AA" erzählt, ist zwar nicht besonders neu, aber der ständige Kampf "Gut gegen Böse" wird herrlich makaber und teils mit bösartigem Humor umgesetzt, bild- und tongewaltig wie ein Nolan-Film durch die Konsole gejagt und nicht zuletzt mit der richtigen Prise Spannung in Szene gesetzt. Dass die Grafik zudem ein Augenschmaus ist, versüßt nur den Gesamteindruck. Die so wichtigen Charaktere, egal ob Superbösewicht oder Nebendarsteller, sind durchweg gut ausgearbeitet. Jeder Mitspieler hat überraschenderweise seine schlüssige und vollkommen gerechtfertigte Daseinsberechtigung. Hinzu kommen die, für ein eingedeutschtes Spiel nicht gerade selbstverständlichen, Top-Synchronsprecher, die wirklich einen ausnahmslos beeindruckenden Job gemacht haben.
Fazit: Um das Ganze kurz und knapp abzuschließen. "B:AA" ist vielleicht nicht perfekt, aber es ist verdammt nah dran. Hier und da gibt es zwar leichte Fruststellen und ein paar Kleinigkeiten scheinen sich nach den ersten 10-15 Stunden Spielzeit dann doch zu wiederholen, aber in Anbetracht all der positiven Punkte sind diese kleinen Schnitzer so verschwindend gering, dass sie nicht groß ins Gewicht fallen. Wer schon immer Fledermaus sein wollte, eine Batman-Leidenschaft hegt, hin und wieder gern Comics liest, als Kind Detektiv gespielt hat oder einfach nur ein erstklassiges Action-Adventure mit leichten "Survival-Horror-Parts" erleben möchte (ich sage an der Stelle nur "Leichenschauhaus" und "Zuchthaus") der wird dieses Spiel lieben. Selten habe ich ein so gnadenlos fesselndes Game erlebt; zuletzt beim süchtig machenden Überraschungshit "
Mirror's Edge". Für mich ist "Batman: Arkham Asylum" schon jetzt ein ganz großes Game, wenn nicht das beste Game des Jahres!