"The night is darkest just before the dawn. And I promise you, the dawn is coming."
Straßenschluchten, Hochhäuser, Gotham City. Dunkel kontrastiert, düster, bedrohlich. Inmitten der Straßen und Gassen Gothams Nationalbank, ein paar maskierte Typen, Clowns, die meisten davon nicht gerade mit Intelligenz gesegnet, lassen sich verarschen, hinters Licht führen und nach getaner Arbeit töten. Am Ende steht nach einem durchdachten, erfolgreichen und mehr als rentablen Coup nur noch ein Mann aufrecht – und der braucht nun wirklich keine Maske, um auszusehen wie ein Clown!
Herzlich Willkommen zu "The Dark Knight" und damit zur Einführung des genialen Bösewichts, die so wirksam wie actionreich daherkommt und bereits in den ersten Minuten erahnen lässt, wo die Reise noch hingehen wird. Wie sehr mich diese Reise aber beeindrucken würde, war zum Start des 152 Minuten langen Epos noch lange nicht klar. Das Eichmaß lag hoch, hat "Batman Begins" im Jahre 2005 die Latte doch schon deutlich nach oben katapultiert und so manchem Weichei- und Hochglanzheldenfilmchen das Grundwasser abgegraben. "Batman Begins", die erste Batman-Verfilmung, die so düster und melancholisch war, dass jedem Fan die Freudentränen kamen. Kann "The Dark Knight" an diesen Erfolg überhaupt anschließen? Kann es einen noch "besseren" Batman geben, einen noch actionreicheren Streifen, der jedoch nicht die Atmosphäre und den Bezug zum Comic und Großmeister Bob Kane vermissen lässt?

...The Dark Knight - Batman...
Ich muss dazu sagen, dass ich letzten Freitag einigermaßen blauäugig ins Kino ging. Warum!? Weil ich unvoreingenommen meine eigenen Eindrücke sammeln wollte. Aus diesem Grund hatte ich bis auf die Trailer auch jeden noch so kleinen Happen von "The Dark Knight" verweigert. Was interessieren mich die Kritiken anderer Leute; Meinungen von zweitklassigen Kritikern mit drittklassigem Filmverstand, die ich schon in der Vergangenheit nicht teilte und die mir im schlimmsten Fall die Lust am Film genommen haben!? Also lieber nicht auf den Medienrummel achten, auch wenn es schwer ist, die Lobeshymnen auf leider verstorbene oder die Skandälchen um noch lebendige Schauspieler zu ignorieren. Ich wusste nur, dass David S. Goyer wieder mit am Drehbuch saß und ich wusste, dass Christopher Nolan erneut für die Regie zuständig ist – was braucht man mehr? Soviel sei jetzt schon gesagt: Enttäuscht wurde ich nicht und somit ist dieses Review eigentlich auch kein Review. Ich werde den Film und die Story nicht feinsäuberlich sezieren und mögliche Parallelen zu welchen Batman Comic-Reihen auch immer suchen oder interpretieren. Warum auch!? Der Film hat nur bedingt mit den Comics zu tun, bedient sich die neue Reihe doch aus mehreren Lagern sowie Comicuniversen und will als Heldensaga auf realistischere Weise den Stoff der genialen Geschichte um die ewige Rache eines Mannes aufarbeiten - zumindest soweit möglich.
Natürlich schadet es nicht die Comics ein wenig zu kennen, um die grobe Story zu überblicken. Ein paar Hintergründe sind ebenfalls von Vorteil, vor allem wenn es um die zahlreichen Charaktere und deren Geschichte geht. Für den cineastischen Fan reicht es aber im Zweifelsfall auch einfach den "ersten" Teil gesehen zu haben - und selbst wenn das nicht der Fall ist, macht der Film immer noch Spaß, weil er einfach funktioniert.
"Wie wäre es denn mit einem Zaubertrick? Ich lasse jetzt diesen Bleistift verschwinden..."
Wo wir gerade bei funktionierenden Dingen sind, gehen wir doch gleich mal ans Eingemachte und somit an die Figuren, die die geniale Story vorantreiben: Noch nie wurde die Figur des Jokers filmisch so eindrucksvoll und nahe der Perfektion auf die große Leinwand gezaubert. Ein zutiefst verachtenswerter Soziophat, geisteskrank und doch so durchdacht und berechnend in seinem Handeln. Ein schizophrener Charakter, der beständig zwischen Genie und Wahnsinn wechselt und allein durch sein Auftreten das Publikum im und außerhalb des Films verstört. Der Joker, der große Unbekannte ohne jegliche menschliche Regung oder Identität, dessen perfide Spielchen gleichermaßen faszinieren wie schockieren, schafft er es doch nicht nur die bösen Jungs, sondern auch die Helden von "The Dark Knight" geschickt gegeneinander auszuspielen. Selbst Tim Burtons Joker anno 1989 war dagegen schlichtweg Kindergarten. Der Joker von 2008 weckt das Böse im Menschen und genießt es mit einem süffisanten Lächeln. Nicht selten war im Kinosaal ob der psychischen Grausamkeit die Beklommenheit der Zuschauer nahezu greifbar, was einzig und allein dem fulminanten Schauspiel von Heath Ledger anzurechnen ist – ja, ich stimme in das Lob ein. Heath Ledger hat diese Rolle einfach verinnerlicht, er hat sie gelebt, wie es scheint mit jeder Faser seines Körpers. Eine großartige Leistung, die man in jeder Filmminute mit Applaus belohnen will.

...The Dark Knight - Joker...
Doch abseits der gigantischen und bedrohlichen Darstellung eines der wichtigsten Widersacher und Bösewichte im Batman-Universum, wissen auch die altbekannten Akteure zu überzeugen. Christian Bale ist in der Rolle des gefallenen und verstoßenen Heroen über jeden Zweifel erhaben. So haben sich Batmanfans die Tragik und inneren Konflikte dieser komplexesten aller Heldenfiguren immer gewünscht. Da kommt es auch sehr gelegen, dass Batman / Bruce Wayne in seinem treuen Butler Alfred Pennyworth (Sir Michael Caine), Technikguru Lucius Fox (Morgan Freeman) und der ebenso bezaubernden wie toughen Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal) wichtige Verbündete im Kampf gegen das Verbrechen an seiner Seite hat. Letztendlich verkörpern sie die letzte Instanz der Menschlichkeit eines Mannes, der sich geschworen hat, die nackte Angst in die Herzen der Schurken zu treiben.
Commissioner Gordon (Gary Oldman) mimt dabei den unbeirrten und unbelehrbar optimistisch guten Cop, der letztendlich mehr aufs Spiel setzt, als ihm lieb ist, um dem chaotischen Treiben in Gotham City einmal mehr Einhalt zu gebieten. Und Harvey "Two-Face" Dent (Aaron Eckhart) tut sein Übriges, indem er vom einst idealistischen und vom unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn getriebenen Staatsanwalt durch Verlust und Wahnsinn in des Jokers gefährliche Tiefen stürzt, was ihm buchstäblich zum Verhängnis werden wird.
Und sonst?
Was der Film sonst noch zu bieten hat? Einige Stichworte sollten reichen: Batmobil, Bat-Pod, Benzin und Sprengstoff ("...kostet nicht so viel.")! ;-) Dazu kommt eine satte Überlänge, die aber zu keiner Sekunde auffällt, da man sich eh von Showdown zu Showdown hangelt. Mitreißende Szenen, beängstigend unheimliche Momente, geile Action und die oft so bittersüße Melancholie eines düsteren Rächers, der sich am Ende opfert und all die Schuld auf sich nimmt, da nur er sie stemmen kann - nur um Gotham und den Glauben der Bevölkerung zu bewahren und zu schützen. Und bevor ich nun sentimental werde und nur noch weiter sinnlos schwärme, kommen wir lieber zum...
Fazit: War "Batman Begins" schon eine Offenbarung für all diejenigen, die Joel Schumachers knallbunte und viel zu harmlose Variante des geflügelten Rächers einfach nur zum Fürchten fanden, ist "The Dark Knight" das Meisterwerk, das selbst den Kampf mit Ra's Al Ghul in den Schatten stellt. Eine Achterbahnfahrt, eine erstklassige Comicverfilmung einer großartigen Geschichte über Rache, Wahnsinn, Gewalt und Liebe. Ein Held, der kein Held ist, da er eigentlich mehr ist, als ein Held je verkraften würde. Und dazu noch die richtige Portion Unterhaltung. Kein leichtverdaulicher Unterhaltungsmist, sondern beeindruckende Bilder und atmosphärische Glanzleistungen, die man nach dem ersten Genießen erstmal aufarbeiten muss. Man kann beim ersten Mal Schauen einfach nicht alles begreifen, was da gerade abgelaufen ist.
In diesem Sinne warte ich nun geduldig auf den nächsten Teil und auf die DVD, denn diesen Film habe ich hoffentlich nicht zum letzten Mal gesehen! ;-) Und euch empfehle ich ins Kino zu gehen – es lohnt sich!
"You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villain."