Alte Helden...

Wir schreiben das Jahr 1957. Eine staubige Lagerhalle mitten im Nirgendwo, die irgendwie seltsam vertraut scheint. Bevölkert wird sie heute von allerlei Gesindel. Irgendwas stimmt hier nicht: Wie sonst erklärt sich dieser ungeahnt starke Magnetismus, der in der Luft zu liegen scheint? Diese nicht gerade freundlich gesinnten Leute in ihren strammen Uniformen sind auf der Suche... nach ÄRGER! Fehlen nur noch ein paar wichtige Utensilien: Ein Mann, ein Hut und eine Peitsche. Dr. Henry Walton Jones, Jr. ist zurück...


...und es fühlt sich großartig an!

Das Problem am "Erlebnis Mainstream-Actionkino" der letzten Jahre - wenn nicht des ganzen letzten Jahrzehnts - ist meines Erachtens beinahe immer dasselbe. Es gibt einfach keine richtigen Helden mehr. Zumindest nicht mehr die "alten Helden"; die Männer von Format. Wie sie nicht alle hießen und jeden trashigen Filmabend garantiert bereichert haben: McClane, Dutch, Hallenback, Ryback, Spartan, Foley, Riggs, Murtaugh und viele viele andere. Den meisten neuen Charakteren fehlt es zumeist an "Ideenreichtum", charmantem Witz, Ehre und Sympathie. Für jemanden, der mit Actionfilmen aus den 80er und 90er Jahren groß geworden ist, waren die vergangenen Kinojahre wahrlich nicht unbedingt eine Offenbarung. Dem modernen Actionkino fehlt es subjektiv betrachtet an so vielem... da mangelt es meist schon an der Substanz, glaubwürdigen Bösewichten, Kompromisslosigkeit und einer guten Geschichte. Zugegeben: Einen wasserdichten Plot haben auch die meisten Titel aus den genannten Zeiten nicht, aber irgendwie verzaubern sie den geneigten Zuschauer mit anderen Werten, u.a. eben den kernigen Hauptdarstellern, die man nicht einfach x-beliebig auswechseln konnte, da sie einfach Originale waren. Sie verliehen den Figuren erst Persönlichkeit und Struktur. Nur so kann Actionkino mitreißen und spannend sein.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gab meiner Meinung nach in den letzten Jahren durchaus sehr viele gelungene Action- und Abenteuerfilme, lupenreine und unterhaltsame Superheldenschmonzetten aus den Marvel- und DC-Universen und nicht zu vergessen die ein oder andere Perle aus den späten 90ern und Anfang der 2000er. Aber wenn sie denn gelungen waren, hatten sie stets ein paar Fitzel alter Schule oder den Charme des Vergangenen zu bieten.


Alte Helden... Revival?

Womit wir schon wieder bei einer (Un-)art der letzten Jahre angekommen wären, die beinahe pestartig um sich greift. Das gemeine Revival. Man hat fast schon den Eindruck, als ob Hollywood hier und da ein Licht aufgegangen wäre. Getreu dem Motto "Wenn wir schon nix Neues auf die Reihe kriegen, verpacken wir halt was Altes!" wird auf anerkannte Werte und verlässliche Titel zurückgegriffen. Das hat in manchen Fällen wirklich sehr gut funktioniert, in anderen Fällen eher weniger. Wenn wir uns nun den neuesten Wurf aus der Kategorie "Wellcome Back" anschauen, sehen wir auf den ersten Blick sogleich ein paar Parallelen, die sich schon bei früheren Aufgüssen bewährt haben.

...Ein Held kehrt zurück...



Ähnlich wie beispielsweise in "Die Hard 4.0" haben wir in "Indiana Jones And The Kingdom Of The Crystal Skull" einen Teufelskerl, der nicht nur rein optisch ganz schön in die Jahre gekommen ist. Was liegt da also näher, als dem sympathischen älteren Mann einen jungen dynamischen Sidekick zu spendieren? Ganz der aufgespielten zeitlichen Epoche entsprechend, ist das im neuen Indy-Film ein kleiner Rabauke, der sehr gerne James Dean wäre - inklusive aufbrausendem Gemüt, rebellischer Attitüde und nicht zu verleugnenden Skills, was nicht nur das Handling seines Motorrads betrifft. Irgendwie ganz der Papa, bestimmt! ;-) Doch ein junger Deuteragonist ist nicht das einzige Mittel, um einem Revival zum Erfolg zu verhelfen. Die Tradition der einstigen Trilogie verlangt nach einer Story, die pro Fortsetzung immer ausgeflippter wird.


Funktioniert...

Um den wenigen, die den Film vielleicht noch nicht gesehen haben, die Spannung nicht gänzlich zu nehmen, wird jetzt nicht mehr weiter munter offenbart, sondern nur noch ein wenig gelobhudelt. Hingegen der aufkeimenden Melancholie des zweiten Absatzes ist "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" (vielleicht abgesehen vom viel zu langen Titel) ein absolut gelungenes Spektakel und wohlgemerkt wohlig warmes Wiedersehen mit einem der letzten großen Helden. Nicht selten hatte ich Tränen vor Freude in den Augen, ob der herrlich unterhaltsamen Dialoge sowie Parallelen und Anspielungen auf die älteren Filme. So muss das sein. (Kurze Anmerkung: Mir wurde der Genuss des Filmes im O-Ton zuteil. Was die deutsche Synchronisation evtl. kaputt gemacht hat, weiß ich deshalb noch nicht!).

Spielberg und Lucas haben in meinen Augen wirklich ganze Arbeit geleistet, auch wenn man als Fan der Serie über einige offensichtliche Schwächen großzügig hinwegsehen muss. Cate Blanchett überzeugt mich beispielsweise als kommunistische Superbitch und Indys Gegenspielerin leider so überhaupt NICHT… Sorry, das ging voll in die Hose. Aber vielleicht kauf nur ich ihr diesen zwanghaft farblosen Oberfeldwebel nicht ab. Auch die Story nimmt zum Ende hin ein paar unglückliche Auszeiten, die mir einfach zu sehr in die Science-Fiction-Richtung abschmieren. Vielleicht wäre an dieser Stelle weniger mehr gewesen. Eindeutig weniger hätten auch die CGI-Effekte sein dürfen. Nicht, dass diese besonders übertrieben gestaltet wären, aber wenn man im Vorfeld einen Film schon groß mit richtiger "Old School Action" ankündigt, dann braucht es doch diese pompösen Wichsereien nicht. Klar ist die oft zitierte und mächtig irrwitzige Dschungelverfolgungsjagd inklusive Tarzan-Einlage und mehr als sensationellem Abgang ein echter Hingucker - die weitaus weniger "trickveredelte" Verfolgungsjagd auf dem Motorrad ziemlich zu Anfang des Streifens fand ich persönlich allerdings roher und somit charmanter.

Fazit: Trotz einiger weniger bitterer Beigeschmäcker war "Indy 4" für mich ein filmischer Genuss. Die Erwartungen dürften bei einem derartigen Film ja klar sein. Wer sich das vor Augen hält wird zwei Stunden lang wirklich hervorragend unterhalten. Die dritte Fortsetzung ist aber wie jedes andere Revival der letzten Jahre kein Vergleich zu den Originalen. Zum Schluss hin verliert der Plot zudem ein wenig an Dynamik und Glaubwürdigkeit; alles ganz schön freaky. Dennoch bin ich sehr zufrieden und habe keine Bedenken dieses Machwerk in die Reihe der "besseren" Wiederbelebungen einzuordnen. Angesichts der nostalgischen Achterbahnfahrt mit gewünschtem Happy End ist der neue "Indiana Jones" mit Sicherheit ein Kandidat für meine DVD-Sammlung - sofern irgendwann eine schöne und bezahlbare Box mit den drei Vorgängern veröffentlicht wird! ;-)

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