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Krise²

Wer dieses Blog hin und wieder verfolgt oder das Glück hat mich persönlich zu kennen, der weiß, dass ich nicht so schnell aufgebe. Nun, nach meiner sehr negativen ersten Meinungsäußerung über genanntes Krisenspiel, war ich nun wahrlich nicht besonders motiviert, das Game überhaupt durchzuspielen. Doch von mieser Optik aufgrund fehlender Hardwarepower hab ich mich noch nie aufhalten lassen. Schließlich gibt es noch andere, stellenweise viel wichtigere Qualitäten, die einem Spiel zum Erfolg verhelfen können.

Ich habe mich also durchgekämpft, doch was ich in den letzten Tagen mit Crysis erlebt habe, gleicht einem Trauerspiel. Wer wirklich beabsichtigt, sich dieses unausgegorene und halbfertige Unterhaltungsprogramm noch zu kaufen, dem sei vom Weiterlesen ganz klar abgeraten, denn auf etwaige Spoiler kann ich hier keine Rücksicht nehmen.


Let's Get The Shit Started...

So, wo fange ich nun am besten an? Vielleicht am Anfang: Etwa drei Viertel des Spiels läuft man wie bekloppt im Dschungel herum. Aufgaben gibt es nicht. Alles was Crysis bietet ist ein mehr als ausgelutschtes Schema F. In der Praxis gestaltet sich das so: Gehe zu Punkt a) und mach alle fertig, um danach zu Punkt b) zu gehen und alle fertig zu machen! Highlights sind das Zerstören von Flugabwehrstellungen, einer Handvoll Störsendern und das mehr als lahme Rumgegurke mit einem Panzer. Insgesamt war selbst der Vorgänger "Far Cry" an der Stelle kreativer, musste man damals doch wenigstens noch die ein oder andere Chipkarte für die dazugehörigen Türen finden.

Nun... überspringen wir ein paar Quadratkilometer Dschungel und Horden von Koreanern, finden wir uns irgendwann in einem Steinbruch wieder. Ab da wurde das Spiel von "erst lasch bis machbar" sprunghaft zu "unglaublich schwer bis seid ihr komplett bescheuert"! Das lag aber weniger an den knüppelharten Gegnern, die plötzlich auch Nano-Anzüge tragen und Mini-Guns im Anschlag haben. Die hatten es schon auch in sich, aber die Rede ist hier eher von schweren Bugs, die ein Indiz dafür sind, dass Publisher EA mal wieder nur die Kohle im Sinn hatte und den engagierten Entwicklern einige Wochen an wertvoller Nachbereitungszeit abgezwackt hat. Nicht selten kommt man im Spiel einfach nicht weiter, weil ein Skript nicht anläuft, eine Tür sich nicht öffnet oder die Sprachausgabe des Kommandanten in der Endlosschleife trällert, sich aber im Spielverlauf trotzdem nichts weiter bewegt. Klasse! Das ist doch Zucker für die Motivation, wenn man Spielabschnitte zigmal neu laden muss, um überhaupt voran zu kommen.

Das Ganze gipfelt dann vorläufig im ominösen Raumschiff der Aliens und der ersten richtigen Änderung im Spielverlauf, wobei diese "neue" Umgebung für alte Zocker nicht wirklich eine Überraschung darstellt. Wer seinerzeit Unreal oder Alien vs. Predator gezockt hat, kennt Raumschiffe und Schwerelosigkeit also schon - und ist so ganz nebenbei auch besser unterhalten worden. Somit ist die größte Herausforderung in diesen Levelabschnitten, die Orientierung nicht zu verlieren, denn dank der Schwerelosigkeit und dem unübersichtlichstem, was ich lange an Leveldesign bestaunen musste, wird das herum eiern in der Raumstation zur echten Geduldsprobe. Diese wird übrigens noch intensiviert durch die herum wuselnden Aliens. Wer hier jetzt aber stilistische Extravaganzen oder einwandfreie Monster erwartet, wie sie damals schon von Ripley oder Dutch aufs Korn genommen wurden, wird bitter enttäuscht. Was der Spieler für sein Geld bekommt sind blasse, mintgrüne Kaulquappen, die in etwa so furchteinflößend sind wie verschimmelter Frischkäse. Dafür wird man sie umso schwerer los, denn sie bewegen sich nicht nur dreimal so schnell wie der Spieler selbst, sondern hauen einen auch nicht selten mit einem einzigen Punch direkt aus den Nano-Latschen. Besonders ausdauernd wird's dann, wenn die Munition ab Schwierigkeit "Mittel" viel zu schnell zur Neige geht und man die Viecher im Nahkampf umhauen muss. Flucht ist keine Option, denn statt Hebel oder Knöpfe zu finden, gilt es lediglich alles Lebendige im Abschnitt wegzuputzen, um in die nächstgelegenen Räume zu kommen. Was für ein revolutionärer Shooter... ganz herausragend, ehrlich beeindruckend!

So, irgendwann sind dann auch die letzten Aliens, die zwischen unserem gesichtslosen Helden und dem Ausgang standen, gekillt und man ist wieder an der frischen Luft. Der Dschungel hat sich mittlerweile in die hoch gepriesene Eiswüste verwandelt, doch viel sieht man davon nicht, denn man muss einen übrig gebliebenen Kollegen unter großer Feindbelagerung aus der -200° C kalten Eiszone befreien, die sich unter einer Art Käseglocke beständig vergrößert. So ist man also durchaus bemüht, den KI-Mitläufer mit dem defekten Nano-Ganzkörperkondom vorm Erfrieren zu bewahren, während die Aliens (diesmal in hochtechnischen Anzügen) in Scharen über einen herfallen. Dumm nur, dass der KI-Mitstreiter dämlich ist wie Brot. Der Zeitgenosse hat nämlich die schlechte Angewohnheit, sich immer zwischen den Spieler und die Aliens zu stellen. Richtig blöd ist das, denn auf befreundete Kameraden kann man in Crysis nicht schießen... das wird durch ein rotes X und dem Streiken der Waffe auch gut erreicht. An sich natürlich nobel, aber der Bereich um die Spielfigur ist einfach zu großzügig proportioniert. Steht der KI-Kollege also auch nur "fast" in eurer Schusslinie, verweigert eure Waffe trotzdem den Dienst und ihr könnt zusehen, wie der fiese Alien euren Mitstreiter brutzelt und euch der Nachladescreen direkt wieder an den Anfang der Hatz katapultiert. Hach, was für ein Spaß!


Fazit: Wie gehabt!

Ich könnte jetzt noch endlos so weitermachen. Zum Beispiel könnte ich über das Level herziehen, in dem man mit einem viel zu langsamen und regelrecht krankhaft trägen Senkrechtstarter im Kampf gegen fünfmal schnellere und wesentlich agilere Alien-Raumschiffe kämpfen muss. Oder wie wäre es mit einer weiteren dreiseitigen Abhandlung über den Endkampf, der vor Programmfehlern und Bugs nur so strotzt und den Spieler mit einem enttäuschenden Ende und mehr als dezentem Hinweis auf die beiden nächsten Teile der Trilogie zurück lässt... Wer glaubt noch, dass wir den Irren, der unbedingt zurück auf die Insel wollte, in baldiger Zukunft als entweder a) Verbündeten und Retter in der Not oder b) maskierten Alien und Überendgegner wiedersehen?

Ne, egal... sparen wir uns das alles lieber, denn Crysis ist und bleibt der Reinfall des Jahres. Wieder mal ein viel zu aufgebauschtes und medienpräsentes Stück Unterhaltungssoftware, aus dem viel hätte werden können. Hilft aber nix, Potential restlos verschenkt, auf ganzer Linie enttäuschend. Selbst die Next-Generation-Grafik - sofern es einen erschwinglichen PC gibt, der sie auch so darstellen kann, wie es ursprünglich beabsichtigt war - hätte daran nichts mehr geändert. Und schaut man ins Internet, sieht man deutlich, dass ich mit meiner Meinung wohl nicht ganz alleine dastehe. Mittlerweile gibt es mehr Crysis Hilfe- und Meckerforen als Fanseiten. Und abschließend sei all jenen gesagt, denen das Spiel wirklich gefällt: Es sei euch natürlich vergönnt. Viel Spaß beim Weiterzocken. Mir jedoch reicht's! Schnauze voll, Crysis in die Tonne und auf Wiedaschaun! Schließlich gibt's Wichtigeres im Leben, als ein mieses PC-Game! Back To Reality und einen schönen Abend noch da draußen!

Euer krisensicherer Eddy ;-)
Mr-Freeze - 6. Dez, 06:51

Ist es nicht einfach schade, daß in der heutigen Zeit ein solcher Innovationsmangel herrscht? Dauernd uralter aufgewärmter Scheiß , der im Original um längeren besser war und wenn dann Mal etwas neues auftaucht wirkt es nur halbfertig und halbherzig.
Nenn mich ruhig nen Grumpy old Fart, aber ich komme langsam zu dem Schluss, daß damals Doch einige Sachen besser waren. Fuck - und das aus meinem Mund!

Mr.Edding - 6. Dez, 08:03

Nee, hast völlig Recht Freezy! Die allgemeine Ideenlosigkeit ist schon erschreckend! Viel zu oft wurde ich während Crysis z.B. an Independence Day oder einige Passagen aus Jurassic Park erinnert... natürlich vorsichtig abgekupfert, aber teilweise schon deutlich erkennbar. Das mag als Hommage noch durchgehen, aber wenn es sich so dekadent durch den Spielverlauf zieht, muss man sich schon fragen, was heutzutage alles als Innovation verkauft werden darf. Früher war wohl doch so einiges besser, oder zumindest neuer... irgendwie! ;-)
chuck - 6. Dez, 08:07

hölle, zu welchen zeiten ihr alle schon wach seid!! :)
aber: guter bericht, möge es unbedarften quadcore-besitzern, die von der volljährigkeit noch einige lenze entfernt sind und denken, mit crying sis' holen sie sich die innovation pur ins haus, eine große lehre sein - manch shooter aus den 90ern hat mehr gameplay/neuheiten.

Mr-Freeze - 6. Dez, 09:56

Tja, den frühen Vogel hängt man im Turm oder wie war das!
Auch von mir nochmal ein Paar Worte an die Quadcore-Freaks....
Nur weil Crysis jetzt X verschiedene Ideen mixt und in eine Schale wirft, das ganze mit Grafiken würzt, die das Verarbeitungsvermögen jeder Pixelschleuder sprengt, muss es ja nicht gut sein!
Wie hier schon X-Mal erwähnt...Grafik ist wirklich nicht alles.
Ich hoffe nur, daß ich noch irgendwann einmal den selben Oooohh Effeckt verspühre, wie bei AVP, MOH:AA, Duke Nukem oder Half Life seinerzeit ! Der olle Max Schmerz hatte auch nette neue Gimmiks in die Spielewelt eingebaut und Doom führte uns in neue düstere Welten. Auch Far Cry war absolut innovativ. Nie zuvor hatte man ein solches Inselfeeling in einem Game verspürt.
Crysis ist einfach nur teurer Schrott, der viel zu früh auf die Spielerschaar herabgeworfen wurde (Danke EA).
Mr.Edding - 6. Dez, 11:05

@ chuck: Bin heute aus dem Bett gefallen und dachte, da muss ich direkt mal ins Blog schauen! ;-) Typisch geeker OJ halt, business as usual! Aber mit dem werten Freezer am Start, war ich ja nicht allein... und auch du bist mit 8 Uhr ja nicht der Spätaufsteher! Ansonsten ein Danke für dein Lob und den netten Hint an alle Quadcore-Freaks! Manchmal wünsch ich mir schon auch die 90er Jahre zurück! :-)

@ Freeze: Mit AVP, MOHAA, Duke Nukem und Half Life wirfst du natürlich die absoluten Highlights eines Gamerlebens in die Runde. Nur schade, dass viele junge Zocker diese Spiele schon gar nicht mehr kenne. Spiele, ohne die es diesen ganzen neuen Schrott gar nicht gäbe! Nur bleibt halt bei einer einst revolutionären und "WOW"-Idee im zehnten Aufguss die Innovation auf der Strecke... egal, wie sich die Grafik bis dahin verbessert hat.

Doom, Far Cry, Max Schmerz! Auch alles Beispiele, an denen man sieht, wie man es richtig macht. Ich bin überzeugt davon, dass Crysis auch was wirklich Solides geworden wäre, hätte man den Entwicklern einfach mehr Zeit eingeräumt. Aber "mehr Zeit" ist in der Firmenphilosophie von EA wohl einfach zu viel verlangt. Allerdings ist das nicht mein Pech, denn ich werde solche Spiele in Zukunft einfach boykottieren. Und wo keine Kohle vom Spieler, da kein Absatz. Da sollte man dann doch irgendwann mal wieder zur Qualität zurück kommen, müsste man meinen!? ;-)
Mr-Freeze - 6. Dez, 11:49

Schade ist ja, daß du in Sachen Spieleboykott eher eine schimmernde Ausname bist Eddy.
Ich kenne da einige gamer, die den scheiß auch trotz aller Warnung kaufen.
Crysis wurde ja jetzt schon häufig zerrissen und dennoch kaufen die Leute den Scheiß!
"Da kommt ja bald n Patch und dann läuft das schon!" heißt es dann und "Far Cry war ja auch schon klasse, dann muss Crysis auch toll sein!"... auf meinen Patch, der MOH Airborne zum perfekten Shooter macht, warte ich sicher noch bis zum Skt. Nimmerleins Tag, weil EA mit der Patchentwiklung nada Pesos macht und Crysis ist ja auch nur noch bedingt ein Kind von Crytec, dafür hat EA viel zu viele Pfoten im Spiel ! Taraurig traurig, aber wenn´s denn sein muss, dann gründe ich mit Dir zusammen die erste Bastion der EA-Spielverweigerer ! Diese Pappnasen hätten nen Gameboykott nämlich wirklich schon lange mehr als nötig!

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