Mittwoch, 10. Oktober 2007

Ich bin Chow Yun-Fat...

Alle Welt zockt! Der Eddy neuerdings auch wieder, dank passablem Hardware-Upgrade. Und obwohl meine Wahl eigentlich auf "Bioshock" fallen wollte, kam mir doch "John Woo präsentiert Stranglehold" in der garantiert unbeschnibbelten EU-Fassung zuerst auf die Festplatte. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, da Bioshock auf einigen Rechnern (und da muss ich meinen nach dem ausführlichen Demotest leider mit einbeziehen) enorme Probleme macht. Da warten wir mal lieber auf den ersten Patch und eine satte Preissenkung! ;-)

Zurück zum Superhelden mit dem verbissenen Blick. So sind wir also in Hong Kong, statt unter Wasser. Und statt fettem Zukunftsdoping und fiesen Schlitzergesellen in feuchtfröhlicher Aquariumskuschelatmosphäre, gibt's anständig auf die Glocke. Die Schlacht wütet dabei in verdreckten Hinterhöfen, bergigen Asia-Landschaften mit feinen Drogenlabors, einem großen Casino, einem modernen Wolkenkratzer, einem naturhistorischen Museum in Chicago und wer weiß schon wohin mich mein Weg sonst noch führt.

Für das Betrachten der wunderschön gestalteten Umgebung bleibt ohnehin keine Zeit. Überall nur Gegner und Kugelhagel, Explosionen, leere Patronenhülsen und massig Trümmer fliegen durch die Luft. Wirklich alle beweglichen Dekomaterialien, sowie teilweise Gebäude und Mauerwerk sind komplett zerstörbar und sausen einem nur so um die Ohren. Ein Adrenalinkick pur, ein Spielerlebnis der schnellen und brachialen Sorte und sobald die Max Schmerz - typische "Bullet Time" aktiviert wird, sogar noch surreal schön. Vom Gewaltlevel ganz zu schweigen. Holla... da fließen die Lebenssäfte in Sturzbächen. Detailliertere Animationen des Ablebens gab's wohl auch nur selten bisher. Dank Physik-Engine und netten Features, wie etwa dem "Snipermodus", einem "Berserkerupgrade" oder dem Chinaröllchen (die Spielfigur dreht sich schön animiert im Kreis und schießt alle Gegner im Umfeld selbstständig zu Brei, während weißes Federgetier in die Lüfte steigt.)


Story? Hä?

Tja, nur leider hat dieses Spiel nicht nur einen Haken. Die Story - so schön und unterhaltsam Rachegelüste auch sein mögen - kommt einfach nicht richtig in Fahrt. Da strengt sich das Spiel durch stylische und wirklich fabelhaft inszenierte Zwischensequenzen in grandioser Spielgrafik zwar an, ein wenig Atmosphäre aufzubauen, nur geht das bisschen Geschichte dann wieder im endlos tumben Geballer der schier unzählbaren Gegnermassen unter. Was war noch mal los? Wieso mach ich das alles? Achja, mein Babe, das ich vor beinahe zwei Jahrzehnten geliebt habe, ist entführt worden und ihr Vater ohnehin ein Arschloch von Gangsterboss. Irgendein Kumpel von mir ist ja auch noch Undercover unterwegs. Achja, und ganz am Anfang haben sie ja einen Kollegen von mir exekutiert. Nur wer war das? Die chinesische Mafia, die Hong Kong Gangs, die Russen? Wie passt das alles zusammen und warum? Egal, lass mal lieber alle umnieten...



(Der Klick auf das Bild führt zur Offiziellen Stranglehold-Page)


Wirklich eine fiese Geschichte ist das auch mit diesen scheißdoofen Gegnern, die ihren Mangel an "Künstlicher Intelligenz" durch nicht enden wollendes Wiederauferstehen wett machen, solange man nicht endlich die fest bestimmten Triggerpunkte in der strikt linearen Spielwelt überschreitet. Nervig auch der hohe Schwierigkeitsgrad, der mich schon an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Mal ehrlich Leute... ich bin kein Neuling auf dem Gebiet und in "Normal" sollte ein Third-Personer doch schon zu schaffen sein, wenn es denn noch Spaß machen soll. Fest vorgegebene Kontrollpunkte statt freiem Speichern lassen den Frust da nur noch wachsen und treiben mir vor allem bei den knüppelharten Bossgegnern nicht nur Tränen in die Augen, sondern die Galle in Richtung Gaumenzäpfchen. So kann man die Spielzeit natürlich auch verlängern.


John Wer?

Wem haben wir das Ganze eigentlich zu verdanken, neben den Entwicklern von "Midway" und Konsorten? Ja klar, John Woo... ihr wisst schon!? Der Action-Regisseur mit dem Vogel-Fetisch. Nur macht dieser Umstand das Spiel nicht unbedingt besser. Auch nicht der Hauptcharakter Inspektor Tequila, besser bekannt als Schauspieler "Chow Yun-Fat", der im Jahr 1992 in einem berüchtigten Film namens "Hard Boiled" den Grundstein für dieses Game legte. "Hard Boiled" war übrigens die letzte Hong Kong-Produktion, bevor Johnboy nach Hollywood ging. Wäre er besser mal im Reich der aufgehenden Sonne geblieben!?



(Der Klick auf das Bild führt zur Offiziellen Stranglehold-Page)


Naja, wollen wir es mal nicht so drastisch sehen. "Stranglehold" verschenkt zwar einiges an Potential, ist aber trotzdem ein solider, wirklich cooler, wenn auch eisenharter Shooter. Den ohnehin schon hohen Bodycount des Filmvorgängers (307 Gangster in der ungeschnittenen Fassung) knackt man allemal. Gorehounds wie ich kommen ebenfalls auf ihre Kosten und für ein bisschen monotones Geballer sind wir ja alle gern zu haben. Außerdem steht die digitale Version von Chow Yun-Fat dem echten Mann aus Fleisch und Blut in nichts nach. Der Typ hat einfach die Ruhe weg, wenn er sich da geradezu schmerzlich übertrieben und mit anmutiger Akrobatik durch die einzelnen Levels bombt und turnt. Da macht's dann auch nix, dass das Spiel für erfahrene Zocker nach 8 Stunden schon wieder vorbei ist. Länger hätte mich das eintönige Bleipusten, aufgrund des fehlenden Tiefgangs, eh nicht fesseln geschweige dem in seinem "Würgegriff" halten können.


Fazit: "Stranglehold" war gut gemeint, litt jedoch unter zu großem Medienrummel und gilt nun nur noch als Lückenfüller für all jene, die immer noch hoffen, dass ein dritter Teil der Max Schmerz - Saga doch bald erscheine. So ist das mit den großen Erwartungen. "John Woo" und "Chow Yun-Fat" sind selbstverständlich große Namen, die dem Spiel auch in der zensierten deutschen Fassung reißenden Absatz garantieren werden. Doch wenn ich ganz ehrlich bin, ist "Stranglehold" nur das wesentlich schlechtere Max Payne (2). Gab es bei diesen Vergleichstiteln nämlich noch so etwas wie echte Abwechslung und eine wirklich famose und fesselende Geschichte, die dem "Game Noir" würdig war, haben Max und Tequila unterm Strich nur zwei Sachen gemein: Die Zeitlupe und die Indizierung hierzulande. Was bleibt? Eine Erkenntnis! Nämlich: Ich bin Chow Yun-Fat und sehe überall nur Tauben.

Wertung: 4 von 6 möglichen Punkten.
Gutes Game für zwischendurch, das leider kleine Schwächen aufweist.

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