Lange hab ich überlegt, ob ich heuer überhaupt einen Jahresrückblick verfasse. Rückblicke sind meist sehr persönlich und mit zunehmendem Alter und zunehmender Präsenz in der Öffentlichkeit, wird einem der Begriff Privatsphäre wieder wichtiger. Vielleicht ein Grund, warum auf "eddys welt" 2011 ungewöhnlich wenig passiert ist. Wenn ich mich durchklicke, waren es im ganzen Jahr nur zehn Einträge. Unrühmlich für jemanden, der sich früher als "Blogger" bezeichnet hat. Doch verständlich, wenn man mich und meinen beruflichen Hintergrund kennt. Und so soll der Jahresrückblick auch starten: Mit der Arbeit.
"Oh, it's a dirty job. But someone's gotta do it."
Seit November vergangenen Jahres hat er mich also so richtig. Der Beruf im großen Pressehaus, die Arbeit hinter und fernab des Schreibtisches, was nach wie vor das Spannendste und Beste daran ist. In dieser Hinsicht war 2011 ein grandioses, ein abwechslungsreiches, ein emotionales und sehr schreibintensives Jahr. Ich war nah am Menschen, nah an den Geschichten. Teilweise zu nah, aber daraus lernt man als junger Journalist. Man lernt die Leute kennen, die Mechanismen, beginnt zu hinterfragen.
So sind in den vergangenen zwölf Monaten doch einige Geschichten zusammen gekommen. Alles in allem werden's bis Jahresende wohl rund 150 Veröffentlichungen sein; Kurzmeldungen und Kleingedöns nicht mitgerechnet. Vieles war "business as usual", auf die eine oder andere Story bin ich aber sogar ein wenig stolz. In meiner Kulturzeit waren es wohl die lang recherchierte Sonderseite über junge Jazz-Studenten in Nürnberg, das Interview mit Claudia Koreck und mein erstes Mal bei "Rock im Park", mit dazu gehörigem Kurz-Report. Im Lokalen Nürnberg ging's dann erst richtig los: Guerilla-Gärtner, Geo-Cacher, Wikinger und Cowboys in der Großstadt, verrückte Star-Wars-Fans. Alles dabei. Dazu diese Geschichte über das Mädchen mit Down-Syndrom und die tiefgehende Vor-Ort-Reportage bei der drogenabhängigen und verarmten Nürnberger Straßen-Jugend, deren einzig existierender Rückzugsort aufgrund von finanziellen Engpässen geschlossen werden musste.
Es waren diese Geschichten, draußen bei Betroffenen, vor Ort in einer verdreckten Bude, umringt von zwei Junkies, fünf Hunden und dem Duft von Bierdunst und kaltem Zigarettenrauch, die einen auch nach Feierabend beschäftigten. Wie jüngst auch die Geschichte über 23 Flüchtlinge, die momentan im Neumarkter Landkreis als Asylbewerber in einer kleinen Pension leben, die von den Gräueltaten eines menschenverachtenden Regimes berichten, von Verfolgung und körperlicher Misshandlung. Pure Realität, ungeschönt, manchmal so intensiv, dass es einem den Magen umdreht, doch dann auch wieder herrlich schön, wie das Leben nun mal sein kann. Aus diesem Blickwinkel gibt's in Sachen "Job" eigentlich nur einiges zu sagen: Ich freu mich auf 2012.
"Oh, it's a dirty game. But someone's gotta play it."
Kommen wir nach all den eher ernsten Themen zu den schönen Dingen des Lebens. Wer Geld verdient, der mag es gelegentlich auch ausgeben, sinnvoll investieren. So gab es auch 2011 einige Neuanschaffungen, die sich rückblickend mehr als gelohnt haben. Darunter zig Games, herausragende Filme und Musik, die das Jahr begleiteten. Um das Ganze abzukürzen, kopiere ich an dieser Stelle eine Art der Präsentation, die ich mit lobendem Hinweis auf den
Urheber in dieser Form einfach frech übernehme...
Game des Jahres:

Für viele vielleicht überraschend, aber nach Abwägung aller Pros und Contras bleibt unterm Strich der dunkle Ritter. Weil mich "Batman – Arkham City" über Tage gefesselt hat, weil es nie langweilig wurde, mich angetrieben hat wirklich jedes Rätsel zu lüften, jedes Geheimnis zu entdecken und jeden Winkel zu erkunden. Dazu grandiose Charaktere und eine tolle Geschichte. Rundum gelungen, motivierend, kreativ und ausgereift. Mein Favorit!
Auch gut: Anfang des Jahres noch "CoD: Black Ops", natürlich nur wegen des Multiplayers (die Solo-Kampagne habe ich bis heute nicht durchgespielt); "Bulletstorm"; "Gears of War 3"; "Resistance 3"; "Uncharted 3" und "L.A. Noire".
Game-Flop des Jahres:

Ganz klar, der Duke hat's verkackt. Oder besser gesagt: Gearbox hat's verkackt. So funktioniert der Duke einfach nicht. Man kann kein Oldschool-Game den "neuen Regeln" der Shooter aussetzen. Wo sind bitte die Medi-Packs, wo sind die übermenschlichen Waffen und Kanonenfutter-Gegner? Stattdessen Ideenlosigkeit, miese Grafik, zu lange Ladezeiten, unfair schwere Stellen und zu allem Überfluss diese allgegenwärtige Selbstheilung und der unsinnige Umstand, dass man als Duke nur zwei (!!!) Waffen mitnehmen kann. Hello ? Fuck you! Und Jetpacks gab's auch nicht. Scheißgame. Dann lieber gleich "Serious Sam 3". Die stehen wenigstens dazu! ;-)
Album des Jahres:

Musikalisch war heuer einiges geboten. So viel, dass es mir gerade schwer fällt, einen klaren Favoriten auszumachen. Gemessen daran, wie oft das Teil im Auto, am PC und im iPod rauf und runter dudelte, ist's dann aber doch recht deutlich: "Social Distortion - Hard Times And Nursery Rhymes". An Mike Ness führte 2011 einfach kein Weg vorbei.
Auch gut, wenngleich nicht alles 2011 erschien, aber halt in diesem Jahr verstärkt Gehör fand: "Limp Bizkit - Gold Cobra"; "3 Doors Down - Time Of My Life"; "K.I.Z. - Urlaub fürs Gehirn"; "Blink 182 - Neighborhoods"; "Charles Bradley - No Time for Dreaming"; "Country Strong OST"; "Tron Legacy OST"; "Times Of Grace - The Hymn Of A Broken Man"; "Five Finger Death Punch - American Capitalist" und "Blood for Blood - Outlaw Anthems". Musikalische Enttäuschungen gab's 2011 keine.
Film des Jahres:

Da ich auch 2011 sehr selten im Kino war, kann ich hier nur die Blu-Ray-Heimkino-Auswertung bieten. Ohne große Umschweife oder Erklärungen gibt's auch hier einen mehr oder weniger klaren Favoriten: "Planet der Affen - Prevolution". Einfach ganz großes Kino. Unbedingt anschauen.
Auch verdammt gut: "Australia"; "Avatar"; "Black Swan"; "Copout"; "Country Strong"; "Crazy Heart"; "Der Plan"; "Drive Angry"; "Einfach zu haben"; "Fast & Furious 5"; "Green Lantern"; "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes"; "Ich bin Nummer vier"; "Machete"; "Paul"; "RED"; "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt"; "Sucker Punch"; "The Losers"; "Tron: Legacy" und "True Grit".
Scheißfilm des Jahres: "Rubber". Einfach aus "reiner Willkür"! ;-)
Bücher und Comics: Gab's 2011 leider nicht viele. Keine Zeit! Ausgelesen und für gut befunden: "John Niven – Kill Your Friends (Roman)", "Simon Beckett – Leichenblässe (Roman)" und "Stephen King – American Vampire Vol. 1 und 2 (Graphic Novel von DC Vertigo)".
Vernünftigste Anschaffung des Jahres: Auf technischer Seite wohl ganz klar das smarte iPhone. Nicht, weil man damit so schön spielen kann, sondern weil es im beruflichen Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Die neuesten Nachrichten immer dabei, Zugriff auf Internet und E-Mail von unterwegs sowie die Apps für Google-Maps und VAG machen es für mich zum nützlichsten Begleiter überhaupt.
Auch nützlich, vor allem für den Beruf: Digitales Diktiergerät von Olympus, Canon 600D als kleine Back-Up-Cam.
Unvernünftigste Anschaffung des Jahres: Mein Full-HD-Beamer "Sanyo PLV-Z800". Hätte es sicher nicht gebraucht, dieses weiße Monstrum mit seinem 1200 ANSI Lumen und dem 10.000:1-Kontrast, aber Heimkino und Zocken in 1080p auf einer 2-Meter-Bilddiagonalen? Nie wieder anders, definitiv! ;-) Und preislich ein Schnäppchen, weil kurzzeitig um fast 50% reduziert. Danke Amazon. Da muss man einfach zuschlagen.
Auch nice: Meine Sennheiser HD 558 Stereo Kopfhörer, damit man beim medialen Vergnügen die Nachbarn nicht mit Kriegsgeräuschen belästigt! ;-)
"Oh, it's a dirty life. But someone's gotta live it."
Eigentlich, zum Ausklang, käme hier jetzt nun der persönliche Teil, der umfassendste Teil. Doch aus Rücksicht meinen (wenigen) Lesern gegenüber, klammern wir das 2011 einfach mal großzügig aus. Ohnehin gäbe es da bei anderen Personen wesentlich mehr zu berichten. Alles nicht so wild 2011. Klar gab's auch bei mir wie immer Höhen und Tiefen. Menschen haben mich enttäuscht oder positiv überrascht, manche Nachwehe aus dem Jahr 2010 war auch 2011 noch präsent, noch spürbar. Neuer Trouble ließ nicht lange auf sich warten.
Aber es gab auch schöne Begebenheiten. Vertrautes und Neues wusste zu begeistern. Durch manches hat man sich durchbeißen müssen, ging gestärkt oder zumindest mit der Erkenntnis daraus hervor, es beim nächsten Mal anders anzupacken. Freundschaften standen einige Male im Fokus. "It's time to prove to your friends, that you're worth a damn." Dazwischen Tränen der Freude und der Trauer. Rundum turbulent, selten still, immer Action, wenig Zeit für Ruhe. Vielleicht sollte das auch ein einziger guter Vorsatz für 2012 sein. Prioritäten neu ordnen, die innere Mitte finden, das Gleichgewicht wieder herstellen, Wichtiges würdigen, Unwichtiges einfach weglassen, direkt, ohne Gnade.
Klingt nach einem Plan. Gehen wir's also an. In diesem Sinne wünsche ich allen verbliebenen Lesern ein frohes und gesundes neues Jahr. Stay tuned. :-)