Donnerstag, 10. Mai 2012

Berlin also... Tag #5

Hat ein wenig gedauert... hätte es fast vergessen... da gibt es noch ein paar Zeilen... die vor zwei Wochen nachts im Zug nach Hause entstanden sind... mit genau sechs Prozent Restakku... ein letztes Mal Berlin.

Ereignisreiche Tage liegen hinter mir. Ich merke es an den Füßen, am Feeling in der Brust, am Kopf. Gedanken. Das ist fast schon Business, wie ich hier im ICE in die Tasten klopfe. Die blonde Frau Mitte 30 mir gegenüber, grauer Hosenanzug, viel zu plumper Dell-Laptop, hat bereits beeindruckt das kleine Eee-Netbook beäugt. Das Ding damals wegen der USA-Reise gekauft zu haben, lohnt sogar nach über drei Jahren noch. Selbst der Akku ist noch einigermaßen dabei, wenngleich die anfänglich 6-7 Stunden mittlerweile auf 4-5 gesunken sind. Jetzt sind's weniger als 19 Minuten.

Wie dem auch sei... es geht ein letztes Mal um Berlin - und um die Faszination für eine Stadt, die ich nach dieser eindrucksvollen Woche gerne als deutsches New York bezeichnen würde. Ähnlich bunt ist die Stadt, mit allen Ecken und Kanten. Dass auch Berlin niemals schläft ist mir ebenso klar geworden wie die Tatsache, dass ich wiederum überraschend gut in Berlin schlafe - vor allem dann, wenn man den ganzen Tag unterwegs war und den Stress eines Außenkorrespondenten gekostet hat.

Schockierende Faszination

Da am Freitag mit Ausnahme meines letzten Besuches im Bundestag und eines Rundgangs im Paul-Löbe-Haus nicht mehr viel Offizielles passieren sollte, habe ich den letzten Nachmittag in Berlin im Freien verbracht. Bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel, Temperaturen jenseits der 23 Grad sowie den Beinen und Füßen, die im flotten Schritt an Ziele tragen, die man erst gar nicht auf dem Schirm hatte.

Mit Start am Brandenburger Tor ging es nach Mitte, vorbei an den Hackeschen Höfen und dem Alexanderplatz. Schon beeindruckend, wie sich Berlin verändern kann, wenn man nur einmal zwei Querstraßen abbiegt. Dann bekommt die Stadt dieses Flair, jenen rauen Charme - und fasziniert; schockt aber auch mit Armut, Verwahrlosung, Schmutz. Urbane Brache. Tristesse in HD.

Trotzdem; oder gerade deswegen: 5 Tage und 5 Nächte in der Hauptstadt und unzählige Erfahrungen, die mit der Zeit zu schönen Erinnerungen werden, können nicht irren. Der Trip hat sich gelohnt, beruflich wie privat. Schade, dass es nur eine Woche war...


Zum guten Schluss, wie immer ein paar Impressionen. Bitte klicken! Die Fotos sind größer, als sie auf den ersten Blick scheinen... ;-)

Donnerstag, 26. April 2012

Berlin also... Tag #3 und #4

Wo soll ich nur anfangen? Gestern habe ich Tag #3 sensationell verpasst... es ging einfach nicht. Der Tag zu lang, der Abend zu aufregend. Los ging's mit einem Besuch in der Bundespressekonferenz. Innenminister Friedrich und Vizekanzler Philipp Rösler warteten schon, danach folgte Regierungssprecher Steffen Seibert nebst Kollegen. Sicher war ich im Fernsehen, bei der Masse an Kameras, die zeitweilig auf mich gerichtet waren... lag wohl an dem angenehm farbigen Tupfer, den ich mit meinem Hemd abgegeben haben muss... im Gegensatz zu meinen Kollegen. Grau/Braun/Schwarz scheint wohl unisono Berlins Journalisten-Farbe zu sein. Da schwimmt man doch sehr gerne gegen den Strom. #Phoenix-Superstar

Am Abend dann eines der Highlights meiner einwöchigen Berlin-Hospitanz. Ein großer Zapfenstreich. Im Grunde DIE militärische Ehrung überhaupt, ein Stück Tradition zur Ehrung besonderer Persönlichkeiten. Selten, dass man so etwas erleben kann...


Tja, und heute. Das war wohl das Leben eines Außen-Korrespondenten in Reinkultur. Ein 12-Stunden-Arbeitstag, auf sich allein gestellt, scheinbar unüberwindbare Hürden, Stress, Geduld, noch mehr Stress, keine Ruhe finden und am Ende des Tages trotz temporärem Technikversagen doch noch nen Text abliefern, der dann hoffentlich am Tag darauf im Blatt steht. Eine Erfahrung, die ich wahrlich nicht missen möchte.

Genauso wenig wie das Abendessen beim Türken um die Ecke. Ein Ensemble aus Schafskäse, heißem Fladenbrot, gegrilltem Lammfleisch, Gemüse, Salat und Reis, dazu türkisches Bier und Raki - und das im Freien, in Gegenwart von Berliner Luft, Pennern, Rosenverkäufern und Nutten. Pardon... die liebreizende, allzu laut lachende, bildhübsche, junge, blonde Russin am Tisch nebenan war natürlich freiwillig und ohne Hintergedanken mit dem notgeilen, alten Fettsack in seinem in jeder Hinsicht unmodischen, grünen Pullover unterwegs. Da trägt es nicht unbedingt zur romantischen Illusion bei, wenn mittendrin "der Daddy" von ihr anruft und die rostige Begleitung zum Höhepunkt des Dinners derart plump und für andere Tische deutlich hörbar die Frage nach einem "günstigen Hotel" in der Nähe stellt, während sie ihm zärtlich die Fussel von der Hose streichelt. Heieiei... auch das ist wohl Berlin! Alles cool, ich liebe diese Stadt... ;-)

Mittwoch, 25. April 2012

Berlin also... Tag #2

14:30 Uhr, Bundestag, Fraktionsebene, Politik zwischen Kaffee und Kuchen. Wenn ich heute eines gelernt habe, dann, dass Politikreporter vor allem Sitzfleisch brauchen. Stundenlang warten die Kollegen von ARD, ZDF und Phoenix, von den kleineren Regionalsendern, die Schreiber und Agentur-Fotografen auf die hohen Abgeordneten und Minister. Drei Fragen, zwei Minuten Interview, hohle Phrasen, Blitzlichtgewitter, vorbei. Der wichtige Mensch verschwindet wieder hinter großen Türen und drei Wachen - die Reporter setzen sich wieder, um zu warten. Auf den nächsten Run...


Alles in allem war das der bislang "prominenteste" Tag. Schon vor dem Mittagessen war ich Kristina Schröder näher, als ich jemals gedacht hätte. ;-) Am Nachmittag würden Frank-Walter Steinmeier, Gregor Gysi, Renate Künast, Guido Westerwelle, Peter Ramsauer, Rainer Brüderle, Klaus Ernst, Peter Altmaier und Agnes Krumwiede folgen... surreal, Gesichter, die man aus dem TV aus der immer selben Einstellung sieht, mal anders wahrzunehmen. Am Abend hatte ich sogar noch die Ehre, Bundespräsident a.D. Horst Köhler zu sehen. Was soll man da noch groß schreiben?

Einmal mehr falle ich, erschlagen von Eindrücken, in mein Hotelbett... :-)

Montag, 23. April 2012

Berlin also... Tag #1

Ein langer Tag, in allen Belangen...

In einem Wort: Wow!

In zwei Worten: Wow, Berlin!

In wenigen Worten: Aufstehen um kurz nach 7, Duschen, Frühstück in einem Thron (ohne Witz), eine Stunde später zweiter und dritter Kaffee mit Harald Baumer im Café Einstein (bester Espresso seit Ewigkeiten), erstes Briefing. Danach läuft's: Presseakkreditierung ist sehr fix erledigt, eine Stunde später stehe ich im Bundestag auf Fraktionsebene Rainer Brüderle gegenüber! ;-) Der Nachmittag wird mit ein paar Happen Sightseeing und Kulinarischem verbracht, bis am Abend ein Streitgespräch zum Thema "Israel, Iran und der Westen: Gibt es einen Ausweg aus der Krise?" in der Friedrich-Ebert-Stiftung wartet. Das ist auch erst weit nach 20 Uhr zu Ende. Am Rückweg noch schnell Flüssignahrung im Tengelmann ums Eck mitgenommen, danach Abendessen im "Pirate Pizza" und zum guten Schluss mit HB den morgigen Tag durchgesprochen. Der beginnt wie heute... um 7. Also ab ins Bett.. wird Zeit!

Ein langer Tag... zu Ende...

Sonntag, 22. April 2012

Berlin also... Tag #0

Die Luft hier ist irgendwie anders, Frühlingsduft gepaart mit Smog. Tolle Mischung. Zum dritten Mal in meinem Leben bin ich in der Hauptstadt, zum ersten Mal allein. Der Hauptbahnhof, den ich ebenfalls zum ersten Mal sehe, kommt leicht verwirrend daher. Gleise auf mehreren Ebenen, trotzdem überall Tageslicht. Irgendwie beeindruckend. Das Wochenticket für den ÖPNV ist schnell besorgt, keine halbe Stunde nach meiner Ankunft bin ich bereits auf dem Weg ins Hotel.


Der Journalist von Welt residiert übrigens nebst Prada, nur einen Steinwurf vom Kurfürstendamm entfernt. Das Hotel, Altbau, überzeugt mit schlichtem Charme. Der Aufzug im Haus ist wohl das Highlight... vorsintflutlich, aus Holz, noch nie etwas Ähnliches gesehen. Hoffe das morgige Frühstück taugt, dann wird die Bleibe weiterempfohlen.


Zum Abendessen gab's heute Oliven und Weißbrot (gratis), Weißbier und Spaghetti mit Scampi beim Edelitaliener um die Ecke. Das Dinner war ebenso köstlich wie teuer. Aber man ist ja nicht jede Woche in Berlin, sitzt im Freien unter Wärmelampen und lauscht dekadentem Volk, das sich über erst kürzlich verkaufte Immobilien, Mode-Hunde und Nierenkrankheiten unterhält. ;-) Vom Kellner bekomme ich noch den Tipp, Berlins heißestem „Nachtclub“ einen Besuch abzustatten, solange ich in der Stadt bin. Lady Nina soll die Dame des Hauses heißen... gleich um die Ecke. Auf dem Rückweg laufe ich daran vorbei. Daran vorbei. Eindeutig soweit von meiner Preisklasse entfernt wie Rolex, Louis Vuitton und Jil Sander zusammen. Das sieht man schon von außen. Vielleicht beim nächsten Mal. ;-)

Zurück im Hotel bleibt ein Stück Heimat in Kuchenform und das befreiende Gefühl, endlich die Schuhe ausziehen zu können. Tag #0 in Berlin – done. Die Woche kann losgehen...

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